|
Die Baugeschichte der Kirche
"Inmitten der Waldbestände" der Hasenheide
sollte eine Kirche gebaut werden, unweit des Tempelhofer Feldes, außerhalb
der Stadtmauern von Berlin. Hier nämlich war ein großer Teil
der Berliner Garnison stationiert. Der deutsche Kaiser, Wilhelm II., wollte
ihnen in der Nähe der Kasernen entsprechend große Garnisonkirchen
erbauen lassen. Dazu beauftragte er die namhaftesten Hofarchitekten seiner
Zeit. Hatte ein Jahr zuvor Franz Heinrich Schwechten die imposante Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
im rheinisch-romanischen Stil erbaut, so waren es jetzt 1893-96 August
Roßteuscher, der die kaiserliche evangelische Garnisonkiche am damaligen
Kaiser-Friedrich-Platz, heute Südstern, erbaute, und der Baurat August
Menken, der - unweit davon - ebenfalls im rheinisch-romanischen Stil, die
katholische Garnisonkirche geschaffen hat. Am 18. April 1894 erfolgte die
feierliche Grundsteinlegung durch Feldpropst Dr. Aßmann, an der als
Vertreter des Kaisers Prinz Friedrich Leopold und als Vertreter des Fürstbischofs
von Breslau der Delegat Propst Joseph Jalmel teilnahmen. Die Einweihung
beider großer Garnisonkirchen fand am selben Tag statt, am 8. Mai
1897, - in Anwesenheit des Kaiserpaares, Wilhelm II. und Auguste Viktoria.
In beiden Kirchen muss es ein recht farbenprächtiges Bild gewesen
sein: mit den Klängen des Präsentiermarsches zogen die verschiedenen
Truppenteile ein - die Ehrenkompanie des ‘Kaiser-Franz-Regiments‘ mit Fahnen
und Standarten, das dritte Garde-Regiment, die Kürassiere, die beiden
Dragoner-Regimente, die Pioniere, die Eisenbahn-Regimenter mit den Luftschifferabteilungen
und dem Gardetrain. Wo das Kaiserpaar zuerst am Gottesdienst teilnahm,
ist nicht genau festzustellen. Jedenfalls waren sie zur Kirchweihe in beiden
Kirchen in die Kaiserloge eingezogen. August Menken, der im gleichen Jahr
auch die Kirchen St. Ludwig und St. Clara vollendete, die ebenfalls in
diesem Jahr ihr hundertjähriges Jubiläum feiern, war ein vielfältiger
Baumeister, wie man an diesen drei unterschiedlichen Gotteshäusern
sehen kann. Die St. Johannes-Basilika war sein größtes und sicher
auch schönstes Werk.
Es gab eine Zeit, in der man diesen Baustil
als ‘eklektisch‘, d.h. ‘vorgeprägte Baugedanken unschöpferisch
auswählend‘ seitens vieler Architekten ablehnte. Doch die Stilform
der St. Johannes-Basilika ist keine unüberlegte Nachahmung rheinischer
spätromanischer Kirchen. Menken schuf hier etwas ganz Eigenes. In
dem 1980 im Morus-Verlag erschienenen Bildband "Berlin - Stadt und Kirche"
schreibt der Architekt Gebhard Streicher über den Bau der St. Johannes-Basilika:
„Es ist ... richtig, dass diese Bauten gerade in der inneren Raumbildung
selbstgefundene Wege der Gestaltung beschreiten, von denen der zumeist
konventionelle Außenbau häufig noch nichts verrät.“ Er
verweist auf Ähnlichkeiten mit der St. Sebastian-Kirche von Max Hasak
in Berlin-Wedding, die vom Grundriss, von den großen Fensterrosen
und den Arkaden vergleichbar ist.
Dennoch, die St. Johannes-Basilika hat
ihre Eigenheiten und gehört gerade deswegen zu den schönsten
katholischen Kirchen Berlins. Der von seiner hohen Vierung charakterisierte
Innenraum, über einem Kreuzgrundriß aufgebaut, zeigt alle Merkmale
einer dreijochigen Kathedrale alten Stils. Von außen erahnt man den
riesigen Innenraum noch gar nicht - mit seinen rund tausend Sitzplätzen
(hier gibt es unterschiedliche Angaben, zwischen 900 und 1300), mit dem
77 Meter hohen Mittelturm und den ursprünglich zwei Ecktürmchen.
Die Kaiserloge links vorn und die Sakristei rechts vorn ergänzen die
gewaltige Anlage.
Kann man St. Johannes als eine Art ‘Monument‘
betrachten, wie die Kirche mehrfach in ihrer Geschichte bezeichnet wurde?
Viele haben an der Gestaltung dieser Kirche
mitgewirkt. Die "Meister der ersten Stunde" sind heute unbekannt, zum Beispiel
der Schöpfer des Hochaltares mit dem Bild der Geburt und der Enthauptung
Johannes des Täufers. Der gesamte Hochaltar mit seinem Baldachin soll
symbolisch an Christus erinnern, der uns geschenkt wird in der Eucharistie.
An den Ecken des Baldachins sind die vier Evangelisten dargestellt: Johannes
als Adler, Lukas als Löwe, Markus als Stier und Matthäus als
Mensch (Engel). Der Baldachin über dem Altar und vor allem auch der
Pantokrator
in der Apsis darüber erinnern an die frühchristlichen Basiliken
Roms. vor allem an S. Giovanni in Laterano. Man kann Ihn interpretieren
als Gott den Allherrscher und Christus als Herr des Friedens, als den Bundesgott,
der auf uns hinunterschaut -nicht als der strenge Richter, sondern als
der gütige Gott. Dieser Bundesgott lässt der Jungfrau Maria durch
den Engel die Frohe Botschaft verkündigen, zu sehen darunter auf dem
Triumphbogen. Und so geht die Symbolik weiter in der Kirche - denn vom
Baumeister über die vielen Künstler und Architekten, die im Laufe
der hundert Jahre an diesem Gotteshaus ihre Spuren hinterließen,
wurde diese Garnisonkirche als „Gotteshaus des Friedens“ interpretiert.
Hier wurde nie der Krieg gepredigt. Das wird im Tympanon über dem
Eingang deutlich: in dem Sandsteinrelief, das Johannes den Täufer
zeigt, der den römischen Soldaten ins Gewissen redet. Bereits am 3.
Dezember 1906 erhob der später heiliggesprochene Papst Pius X. die
Berliner Garnisonkirche zu einer päpstlichen "basilica minor". Das
war eine Auszeichnung, die sie in unserem Erzbistum nur mit St. Hedwig
(1923) und der Rosenkranzbasilika (1950) teilt. Nach Vierzehnheiligen ist
die St. Johannes-Basilika die älteste Basilika auf deutschem Boden.
Die St. Johannes-Basilika hatte beide
Weltkriege verhältnismäßig leidlich überstanden. Im
Ersten Weltkrieg durfte sie wegen ihrer militärischen Stellung sogar
ihre Glocken behalten. Im Zweiten Weltkrieg allerdings war man etwas zu
diensteifrig und gab sie - bis auf eine im Hauptturm und eine vergessene
im Dachreiter - ab. In den letzten Kriegstagen, als die Russen bereits
Berlin besetzten, geriet die Kirche dennoch unter Beschuss. Einer der Seitentürme
wurde zerschossen, auch der Hauptturm getroffen und eines der Seitenschiffe.
Aber die Kirche war unmittelbar nach Beendigung der Kampfhandlungen wieder
benutzbar. Allerdings waren die schönen farbigen Fenster zerstört.
Provisorisch wurden sie mit Pappe vernagelt. Das Dach wurde neu gedeckt,
die Schäden am Turm repariert. Insgesamt war die St. Johannes-Basilika
glimpflich davongekommen, im Gegensatz zur benachbarten St. Agnes-Pfarrei
und -Kirche und zur St. Hedwigs-Kathedrale. So wurde die Kirche sowohl
für St. Agnes als auch für zentrale Bistumsgottesdienste und
-veranstaltungen ein wichtiger Anlaufpunkt, ja Mittelpunkt.
Die große Kirche brauchte nun dringend
eine Innensanierung, denn grauschwarz waren Wände und Decken, die
Ausmalungen kaum noch zu erkennen, die Fenster - wenn überhaupt -
nur einfach verglast. Pfarrer Friedrich Dissemond, der 1946 zum "rector
ecclesiae" mit der Funktion eines Lokalkaplans ernannt wurde, hatte von
einer jungen Kunststudentin mit Namen Helga Sacks gehört. Als 1949
das Antoniusbild gestohlen wurde, beauftragte er sie zunächst, einen
neuen St. Antonius zu schaffen. Die junge Frau, die schon in ihrer Schöneberger
Heimatkirche St. Norbert erste Arbeiten gefertigt hatte, lieferte prompt
den Antonius. Danach aber fragte Pfarrer Dissemond, ob sie sich denn zutraue,
die Fenster wiederherzustellen. Die junge Frau war überrascht und
beglückt zugleich. Sie schuf als ihr erstes Fenster 1950 die Südrosette.
Das Thema: die Apokalypse, die Geheime Offenbarung des Johannes. Es war
auch ihr abstraktestes Werk: in der Mitte das Lamm Gottes, darum herum
verschiedene Engel, die Cherubinen und Seraphinen, im äußersten
Kranz die 24 Ältesten und die Symbole der vier Evangelisten. Das Fenster,
das damals noch in einer Glashütte in Pirna/Sachsen gefertigt wurde,
hat bis heute eine unwahrscheinliche Leuchtkraft.
Frau Lingnau-Sacks, wie sie nach ihrer
Eheschließung hieß, schuf nach und nach alle farbigen Fenster
der St. Johannes-Basilika, von den Apostelfenstern in der Apsis bis zur
Nordrosette: der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die ganze Menschheit.
Auch die eindrucksvollen Schöpfungsfenster, die Fenster der Heiligen
der deutschen Kirchengeschichte, unseres Bistums, der jüngsten Nazi-Opfer
wie Bernhard Lichtenberg, Alfred Delp SJ, Kardinal von Galen, Edith Stein,
Max-Josef Metzger, P. Rupert Mayer SJ, Karl Leisner, Dr. Erich Klausener,
Dietrich Bonhoeffer, Maria-Teresa Tauscher, Niels Stensen, schließlich
die eindrucksvollen Fenster in der Tauf- und in der Grabkapelle mit Auferstehungssymbolen.
Helga Lingnau-Sacks hat die Baugeschichte dieses Gotteshauses über
fast vierzig Jahre geprägt.
Aber auch ein anderer Name muss genannt
werden: der des Diözesanbaurates Hubert Vogt. Der Architekt, der 1977
begann, die St. Johannes-Basilika grundlegend umzugestalten und zu restaurieren,
stand - wie er damals selbst sagte - „vor der schwierigsten Aufgabe meines
Lebens“. Die Sicherung des Daches, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit eindringt,
die Neugestaltung des Altarraumes nach den Erfordernissen des Il. Vatikanischen
Konzils und der Liturgiereform, aber dann auch die farbliche Gestaltung
des Innenraumes sind zweifelsohne sein Verdienst. Vogt, der vorher in Namibia
(Südwestafrika) gearbeitet hatte, nahm den warmen Farbton der Namib-Wüste
als Grundfarbton zum Vorbild. Diese Atmosphäre der Wärme zeichnet
die St. Johannes-Basilika seit 1978 bis heute aus. Helga Lingnau-Sacks
und Hubert Vogt haben sich von Anfang an gemeinsam abgestimmt. Vogt: „Frau
Lingnau-Sacks ging sehr sensibel mit den Farben um und war offen für
alle Anregungen“.
Und so sehen wir heute im Innern der St.
Johannes-Basilika ein Gesamtkunstwerk, ergänzt durch viele alte und
neue Kunstwerke, wie eine von Kardinal Meisner gestiftete Pieta aus dem
14. Jahrhundert, die Büste von Pius X., geschaffen von Professor Josef
Otto Limburg, die eindrucksvolle Taufe aus der Entstehungszeit der Kirche,
die wertvolle Orgel. Auch der Kreuzweg ist recht alt. Wer sich aber dieser
Kirche intensiv widmet, kann von vorn bis hinten die Kurzfassung der Heilsgeschichte
nachvollziehen, ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis: Ausgehend vom Apsisgemälde
- Christus als der König und Allherrscher - dahinter die Apostel mit
leuchtenden Augen, sieht man in der linken Fensterreihe von vorn nach hinten:
Die Geburt, die Anbetung der Weisen, Mariens Aufnahme in den Himmel und
die Pieta. Die rechte Fensterreihe zeigt Christus vor Pilatus, die Auferstehung
und die Wiederkehr Christi am Jüngsten Tag (im Hintergrund ist der
Atompilz zu beachten!).
Die Fenster von Helga Lingnau-Sacks, die
farbigen Medaillons im Gewölbe, die kleinen teuflischen Figuren an
den Säulen, all das sind Meditationen wert. Hier in der St. Johannes-Basilika
wird ein Kapitel der Bistums- und deutschen Kirchengeschichte deutlich.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands,
und dem damit einhergehenden Beschluss Berlin wieder zum Regierungssitz
zu machen, musste auch für den Apostolischen Nuntius ein Grundstück
gefunden werden, auf welchem ein Botschaftsgebäude errichtet werden
konnte. Das Grundstück neben der Johannes-Basilika bot sich dazu an.
Nach der Grundsteinlegung 1999, wurde das Gebäude im Frühjahr
2001 fertiggestellt
www.nuntiatur.de
Besuchen Sie doch mal das
Wohnzimmer unsererer neuen Nachbarn
|